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Altgrün

Wer war eigentlich 20 Jahre im Bundestag?

Als mich die Einladung zum 20. Jahrestag des Einzugs der Grünen in den Bundestag erreichte hatte ich ein zwiespältiges Gefühl.

Zum Einen fragte ich mich, was hat das heute noch mit mir und dem was ich vor 20 Jahren wollte zu tun? Erweckt man den falschen Eindruck der Unterstützung und der Legitimation durch die Veteranen wenn man da auftaucht?

Zum anderen war es der Aspekt des "Klassentreffens". Einfach mal wieder all die alten Freundinnen und Kolleginnen sehen und mit ihnen plaudern über alles was war oder nicht war bzw. hätte gewesen sein können.

Der zweite Punkt überwog und deshalb fuhr ich nach Berlin. Der Abend im Umstellwerk war sehr gut besucht von allen möglichen Leuten, die ich noch nie gesehen hatte während Mitarbeiter der alten Fraktionen frustiert am Eingang standen und keinen, oder nur schwer, Einlass fanden. Ich nehme mal an, dass es sich bei den vielen Fremden um Leute der derzeit residierenden Fraktion handelte. Die Redner des Abends hatten nicht viel zu erzählen und langweilten mit unverbindlichen Plaudereien. Bemerkenswert war, dass ausser Joschka Fischer kein Grüner aus alten Fraktionen zu Wort kam. Bütighofer hielt eine langweilige Rede. Der einzige der etwas Interessantes zu sagen hatte war der Gastredner Heiner Geisler.

Mit viel Glück begegneten mir dann doch etwas "unbedeutendere" Menschen, die ich von früher kannte. Von denen erfuhr ich, dass man ein Frühstück im Cafe Einstein Unter den Linden für den nächsten Morgen organisiert hatte, bei dem sich nur die alten Grünen treffen sollten. Die dort gefertigte Adressenliste veranlasste mich ein paar Tage später folgende E-Mail an alle mit einer entsprechenden Adresse zu versenden:



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E-Mail an Altgrün:

Von: Herbert Rusche

Gesendet: Freitag, 4. April 2003 17:59

An: Wolfgang Daniels; Angelika Beer; Axel Vogel; Gerald Häfner; Gerd P. Werner; Halo Saibold; Hannegret Hönes; Heidemarie Dann; Lukas Beckmann; Marita Wagner; Reinhard Loske; Walter Sauermilch; Walter Schwenninger; Wilhelm Knabe

Betreff: grüne Kontakte

Hallo liebe "altgrünen" Freundinnen und Freunde,
habe mir heute die Mühe gemacht die Kontaktliste vom letzten Sonntag in mein E-Mail-Programm einzugeben.

Unverzüglich möchte ich auch an alle schreiben, bevor das Treffen am letzten Wochenende wieder in Vergessenheit gerät wie schon so viele "grüne" Möglichkeiten vorher.
Das Frühstück hat mir gut gefallen und war mir wichtiger als der Auflauf am Abend zuvor.

Ein Tag später, bei der Fahrt nach Hause, ging mir einiges durch den Kopf:
- Welchen Grund hat es, dass die Grünen alle die, die einmal für sie gearbeitet haben so schnell vergessen?
- Warum erfahren/erfuhren wir nicht schon früher, wie es den einzelnen früheren Kollegen und Kolleginnen geht oder ging?
- Warum ist Solidarität bei den Grünen meist eine Einbahnstraße?
- Ist das auch bei anderen Parteien so?

Konkreter:

- Was ist eigentlich mit Sabine Bard, Dieter Burgmann, Dieter Drabiniok, Wolfgang Ehmke, Gabriele Gottwald, Klaus Hecker, Erika Hickel, Gert Jannsen, Jürgen Reents, Waltraud Schoppe, Eckhard Stratmann, Hans Verheyen, Roland Vogt, Hendrik Auhagen, Annemarie Borgmann, Eberhard Bueb, Uli Fischer, Horst Fritsch, Torsten Lange, Norbert Mann, Jo Müller, Henning Schierholz, Christian Schmidt, Stefan Schulte, Hans-Werner Senfft, Willi Tatge, Udo Tischer, Helmut Werner, Werner Vogel, Karin Zeitler?
- Leben sie noch?
- Sind sie noch bei den Grünen?
- Sind sie mittlerweile anderswo politisch engagiert, wenn ja, wo?
- Haben sie sich aus dem politischen Engagement zurückgezogen?

- Ist der ein oder andere politische Ansatz der Grünen weiterentwickelt worden, verkümmert oder überhaupt noch vorhanden?

Mich interessiert das Schicksal unserer Kollegen von damals, mich interessiert deren und Eure Meinung zu alten und aktuellen Themen und ich hoffe, dass wir es schaffen zumindest per e-mail in Verbindung zu bleiben.

Ich könnte mir vorstellen, dass wir eine geschlossene oder offene Mailgroup bei Yahoo oder sonstwo einrichten und/oder einen Newsletter an alle bekannten E-Mailadressen verschicken. Wenn das organisatorische Arbeit erfordert, dann bin ich gerne bereit diese ganz oder zum Teil zu übernehmen.

Liebe Grüße von

Herbert Rusche



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Tibetbilder / Berlin 2003

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